Unsere Schule hatte am Mittwoch, den 24. Juni 2026, dank der Arbeit des P-Seminars Biologie die Ehre, Mitgliedern der Schulfamilie und der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit zur Information und Diskussion mit hochkarätigen Fachleuten des Universitätsklinikums Erlangen zu bieten.
Das Thema Organspende wird immer wieder in der Öffentlichkeit, meist ziemlich kontrovers, diskutiert. In Deutschland stehen jährlich ca. 12.000 Menschen auf der Warteliste, während es pro Jahr nur ca. 3800 Organspender gibt. Dieses Missverhältnis ist die Ursache für die im europäischen Vergleich in Deutschland sehr hohen Wartezeiten von momentan durchschnittlich 6 Jahren, in welchen die Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen mit zunehmender Zeit deutlich sinkt. Im Schnitt sterben jeden Tag in Deutschland drei Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Und dies, obwohl 85% der Bevölkerung in Deutschland einer Organspende grundsätzlich positiv gegenübersteht.
Die angesprochene Diskrepanz zwischen dem Bedarf und der Spenderbereitschaft, der grundsätzlichen Zustimmung und der dokumentierten Entscheidung wird zum einen durch Ängste, welche bezüglich der Todesfeststellung und einer dann möglichen Organentnahme, aber auch ethischer Fragestellungen oder schlicht der Gelegenheit, den eigenen Willen zu dokumentieren bedingt.
Die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Biologie in der Jahrgangsstufe 11 haben sich bewusst für dieses schwierige Thema entschieden und einen Informationsabend zum Thema Organspende geplant und gestaltet.
Unter dem Aspekt, dass jeder jederzeit betroffen sein könnte, ob, was wesentlich wahrscheinlicher ist, als Mensch, der ein Spenderorgan zum (Über)Leben benötigt oder als möglicher Organspender, war es den Schülerinnen und Schülern wichtig, den Anwesenden eine sachliche Information zu dieser Thematik zu bieten und auf diese Weise möglichst vielen Menschen eine bewusste Entscheidung hinsichtlich der eigenen Bereitschaft, im Ernstfall als Organspender bereit zu stehen - oder eben nicht - zu erleichtern.
Dankenswerterweise stellten sich hochkarätige Fachleute des Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg sowohl als Vortragende als auch als Experten im „Walk of Transplantation“ für diese Veranstaltung zur Verfügung: Frau Dr. Katharina Heller, die Leiterin der Geschäftsstelle des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg und Oberärztin in der internistischen Klinik, Herr Prof. Dr. Bernd Wullich, der Direktor der Urologischen Klinik, Herr PD Dr. Maximilian Brunner, Oberarzt der (Viszeral-)- Chirurgie, Herr PD Dr. Kosmas Macha, Oberarzt der Neurologie und die Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Erlangen Frau Prof. Dr. Kerstin Benz sowie Herr Florian Wilfert, der die administrative Assistenz der Geschäftsstelle des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg innehat und nicht zuletzt als Betroffene das „Lebendspenderpaar“, Herr Roland P und seine Frau Sieglinde P.
Nach der Begrüßung durch den Schulleiter, Herrn OStD Stefan Reutner und die Seminarleiterin Frau StDin Claudia Breutel-Egner übernahmen die Seminarsprecherinnen, Frau Nadine Höppler und Frau Franziska Krögel, die Begrüßung, thematische Einführung und Moderation durch den Abend.
Frau Dr. Katharina Heller eröffnete die Vortragsreihe mit einem kurzen Abriss der Geschichte der Organspende und der Thematisierung der rechtlichen Vorgaben in Deutschland und Europa. Danach stellten die vortragenden Experten den Verlauf einer Organspende von der Feststellung des Hirntodes bis hin zur Transplantation sehr anschaulich und fachlich hochkarätig dar.
Herr PD Dr. Kosmas Macha erläuterte die Hirntoddiagnostik anhand der nötigen Untersuchungen und deren Protokolle. Anschließend stellte Frau Prof. Dr. Kerstin Benz die Vorgehensweise im Falle eines hirntoten Patienten, insbesondere die Problematik der Zustimmung zur möglichen Organentnahme eindringlich dar. Besonders die schwierigen Gespräche mit den in dieser emotionalen Ausnahmesituation besonders belasteten Angehörigen waren ihr neben den rein rechtlichen Vorgaben ein besonderes Anliegen. Herr PD Dr. Maximilian Brunner beschrieb auch anhand einer Reihe von OP-Bildern sehr eindrucksvoll die Organentnahme und -präparation vor allem im Falle einer Pankreastransplantation. Herr Prof. Dr. Bernd Wullich erläuterte dann dieses Vorgehen wiederum mit Hilfe einiger Bilder an einer im Vergleich hierzu „einfachen“ Nierentransplantation, wobei er besonders auf robotergestützte Operationen einging. Abschließend stellte Frau Dr. Katharina Heller das „Lebendspenderpaar“, Herr Roland und Frau Sieglinde P., das fünfhundertste Lebendspenderpaar des Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg vor. Herr P. spendete letztes Jahr im „kalendarischen“ Alter von 74 Jahren seiner Frau Sieglinde eine Niere. In einem sehr emotionalen Gespräch erläuterte er seine Entscheidung und Erfahrungen als Lebendspender. Frau Dr. Heller betonte dabei, dass Herr P. ein wesentlich geringeres „biologisches“ Alter aufweisen würde, was bei der Spende vorteilhaft war. Frau Sieglinde P. schilderte ihre Sichtweise als Empfängerin und ihre Entscheidungsfindung, das Geschenk ihres Mannes anzunehmen mit eindringlichen Worten.
Im Anschluss daran konnten sich die Anwesenden mit kleinen Snacks und Erfrischungen in einem „walk of transplantation“ an unterschiedlichen Stationen wie den Posterstationen der Experten, an welchen unter anderem ein Film einer Nierentransplantation an einem Kind gezeigt wurde, der Ausstellung „Organspendewand“ des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie der ergänzenden, zum Teil interaktiven Ausstellung des P-Seminars weiter informieren und die Expertise der hochkarätigen Fachleute in vielfältigen Gesprächen nutzen.
Das P-Seminar Biologie dankt den Eltern der P-Seminaristen für Ihre tatkräftige Unterstützung, unseren Schülern Herrn Fiete Zech und Herrn Niklas Engelhardt für die technische Begleitung sowie den Sponsoren, Herrn Dr. Karl-Friedrich Ossberger und den Freunden des Werner-von-Siemens-Gymnasiums für die großzügige finanzielle Unterstützung und der Firma Kaufland für die Sachspenden. Außerdem gilt der Dank unserem Fairtradeteam, der KochAG und dem W-Seminar „Kulinarische Chemie“ für das Catering. Ganz besonderer Dank gilt den hochkarätigen Fachleuten, die dem Seminar die Ehre gaben, das Anliegen in Form der hochklassigen Vorträge und angebotenen Posterstationen so eindrucksvoll zu unterstützen.
Text: StDin C. Breutel-Egner










