Eine Stadt mit über 140 lebendigen Cafés, über 15 verschiedenen Theatern, über 13 Hochschulen und Universitäten, einer Philharmonie, einer Sternwarte, wunderschönen Straßen, einer berühmten Straßenbahn und nicht zuletzt mit jeder Menge herzlicher und offener Menschen. Die meisten werden jetzt wahrscheinlich an eine weltberühmte Metropole denken, aber diese Stadt, die ich zwei Wochen lang dank des Erasmus+ Programms erleben und kennenlernen durfte, heißt Brno (Brünn) und liegt in Tschechien. Und sie ist eine Metropole, nämlich die Hauptstadt Mährens.
Voller Vorfreude auf die bevorstehende Zeit startete ich in der letzten Woche der Sommerferien in dieses Abenteuer.
Dort angekommen wurde ich von meiner Gastfamilie sehr herzlich in Empfang genommen. Ich hatte neben meinen beiden Gasteltern, eine Gastschwester, mit der ich auch in die gleiche Klasse ging, und einen älteren Gastbruder.
An meinem ersten Schultag am Gymnázium Matyáše Lercha lernte ich zuerst einen der Deutschlehrer und den Schulleiter kennen, mit denen zuerst ein paar organisatorische Sachen geklärt wurden. Außerdem bekam ich einen Chip mit welchem man in die Schule rein-/und rauskam, sowie das Mittagessen bestellen konnte.
Mein erster Eindruck vom Unterricht und der Schulatmosphäre waren sehr positiv. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler arbeiteten motiviert im Unterricht mit, das Verhältnis zu den Lehrern war sehr respektvoll, aber auch locker. Nach jeder Schulstunde gab es eine zehnminütige Pause. Nach der zweiten Stunde dauerte sie zwanzig Minuten und zu Mittag eine halbe Stunde. Diese verbrachte jeder in der Schulkantine. Das Essen dort wurde jeden Tag frisch in der Schulküche von einem Küchenteam gekocht und schmeckte sehr gut. Außerdem hat jeder in der Schule einen eigenen Spind, in dem Jacke und Schuhe verstaut werden, da man im Schulgebäude Hausschuhe trägt.
Die Klasse war echt offen und interessiert mir gegenüber eingestellt und ich fühlte mich sehr schnell wohl. Da ich die Klasse 5AV (bei uns wäre das die zehnte Klasse) des achtjährigen Gymnasiums besuchte, hatten wir auch jeden Tag Deutschunterricht, der richtig toll und interessant war, da ich somit auch einen anderen Blick auf die deutsche Sprache bekam. Manche meiner Mitschülerinnen und Mitschüler wollten mit mir sogar Deutsch sprechen und sie konnten es richtig gut. Ich bin von klein auf aber auch mit einer zweiten Muttersprache, nämlich Slowakisch, aufgewachsen und konnte ich mich mit meinen Slowakischkenntnissen gut verständigen. Tschechisch und Slowakisch sind nämlich sehr nah miteinander verwandt. Trotzdem hatte ich vor allem anfangs etwas Schwierigkeiten die Sprache zu verstehen. Mit der Zeit habe ich die tschechische Sprache aber immer besser verstanden und konnte dem Unterricht leichter folgen.
Neben der Schule war auch meine Gastfamilie ein sehr wichtiger Bestandteil meines Alltags. Sie war unglaublich nett und wir unternahmen nach der Schule oft tolle Aktivitäten wie Besuche im Planetarium/ Sternwarte, im botanischen Garten, Stadtbesichtigungen, Badminton, Laufen gehen und einiges mehr. Am Wochenende waren wir in Hartvíkovice und Třebič, in einem eher ländlichen Gebiet der Gegend. Dort schauten wir uns die Umgebung an und machten eine sehr schöne Radtour.
Die zwei Wochen vergingen in einem rasenden Tempo und dann hieß es Abschied nehmen von der Schule, von den Lehrern, von meiner Klasse und natürlich auch von meiner Gastfamilie, was mir nicht gerade leichtfiel.
Ich bin unglaublich dankbar für diese wunderbare Erfahrung, die ich in Brünn machen durfte. Ich bekam Einblicke in eine neue Kultur, durfte die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen dort erfahren, ein ganz anderes Schulleben erleben als bei uns und Kontakte über die Ländergrenze hinaus knüpfen. Und ich finde, dass jeder, der die Möglichkeit hat, bei einem Erasmus+ Programm mitzumachen, die Chance ergreifen sollte. Man wächst über sich hinaus, lernt eine Menge neuer Dinge und wird noch ein Stück weltoffener. Ich würde so etwas auf jeden Fall wieder machen.
Text: Julia Stiepak










